Die Qualität des Erlebnisses, das ein Hotel seinen Gästen bietet, schlägt sich heutzutage in der Online-Reputation des Hotels wider und stellt für Reisende ein wesentliches Kriterium bei ihrer Buchungsentscheidung dar.

Traditionell ist die Sternekategorie der beste Indikator für die Qualität und das Angebot eines Hotels. Und auch wenn dieses Klassifizierungssystem in jüngerer Zeit vielleicht etwas an Einfluss verloren hat, weil sich viele Reisende mittlerweile stark auf die Online-Bewertungen früherer Gäste verlassen, ist die Anzahl der Sterne nach wie vor ein wichtiges Entscheidungskriterium für Reisende, die ihr ideales Hotel suchen. Darüber hinaus stellt es eine Möglichkeit für Hoteliers dar, potentielle Gäste gezielt anzusprechen, indem sie ein etabliertes Qualitätsniveau bewerben.

Doch was genau bedeuten eigentlich diese Sterne? Wer bestimmt, wie viele Sterne ein Hotel verdient hat? Und ist diese Klassifizierung in allen Ländern gleich?

Tatsächlich haben kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede sowie verschiedene behördliche Auflagen in den einzelnen Ländern ein global einheitliches Hotelklassifizierungssystem bislang unmöglich gemacht. Wie genau die Sternekategorisierung in einigen der wichtigsten Märkten erfolgt, betrachten wir im Folgenden genauer.

Eine Hotelklassifizierung ist nicht in allen Ländern vorgeschrieben

Vielleicht wird es Sie überraschen, dass eine Hotelklassifizierung nur in zwei der fünf wichtigsten Tourismusmärkten der Welt obligatorisch ist. In Frankreich, Deutschland, Großbritannien und in den USA ist die Kategorisierung vollkommen freiwillig.

In Italien und Spanien dagegen obliegt die Regelung der Hotelklassifizierung den Regionalregierungen, die die Hotels auf Grundlage verschiedener Mindestanforderungen klassifizieren.

In Frankreich, Deutschland, Großbritannien und in den USA werden sämtliche Klassifizierungskriterien auf nationaler Ebene festgelegt. In Frankreich wird diese Aufgabe von privaten Beratungsunternehmen übernommen, die vom französischen Akkreditierungsausschuss Cofrac zugelassen wurden. In Großbritannien ist die Behörde Quality Tourism zuständig, die der Tourismusorganisation „Visit England“ unterstellt ist (dieses System gilt auch in Schottland, Wales und Nordirland). In Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern übernimmt die HotelStars Union unter der Schirmherrschaft von HOTREC – dem europäischen Dachverband für Hotels, Restaurants und Cafés – diese Funktion. Und in den USA wird die Hotelklassifizierung von unabhängigen Gruppen wie der American Automobile Association (AAA) oder von Reisewebseiten festgelegt.

In Griechenland basiert die Sternekategorisierung ebenfalls auf einem staatlich geregelten System, und infolge eines Ministerbeschlusses im Jahr 2015 wurde dort landesweit ein neues obligatorisches Sternesystem für Hotels eingeführt.

 

Country Zuständiges Gremium Obligatorisch? Kategorien
Deutschland HotelStars Union Freiwillig 1-5 Sterne; mit Zusatzprädikat „Superior“ in jeder Kategorie
Spanien Regionalregierungen Obligatorisch 1-5 Sterne; mit Zusatzprädikat „Gran Lujo“ (Luxus) in einigen Regionen
USA Unabhängige Organisationen und Reisewebseiten Freiwillig 1-5 Sterne
Frankreich Vom Cofrac zugelassene private Beratungsunternehmen Freiwillig 1-5 Sterne
Italien Regionalregierungen, die nationale Mindeststandards berücksichtigen (Ausnahme: Trient und Bozen) Obligatorisch 1-5 Sterne; mit Zusatzprädikat „5-Sterne-Luxus“ in einigen Regionen
Großbritannien Quality Tourism Freiwillig 1-5 Sterne
Griechenland Regierung

 

Obligatorisch 1-5 Sterne

Die wichtigsten Aspekte bei der Betrachtung von Hotelklassifizierungen

Sowohl Reisenden als auch Hoteliers kommt es zugute, dass sich die Regelungen zur Hotelklassifizierung in vielen Bereichen weiterentwickelt haben. Schließlich war es wenig sinnvoll, an starren und veralteten Regeln festzuhalten, die zu einem großen Teil auf architektonischen Aspekten basierten.

Die aktuellen Kriterien sind in vielen Fällen standardisiert, doch es gibt nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Regionen. Vier Hauptaspekte werden dabei in allen Regelungen berücksichtigt: Zimmer, Badezimmer, grundlegende Services des Hotels (zum Beispiel die Rezeption) und Verpflegung.

Wenn man die Länder im Hinblick auf ihre größten Unterschiede miteinander vergleicht, bilden sich drei Hauptarten von Regelungen heraus:

  • Regelungen auf Grundlage von obligatorischen Mindestanforderungen in jeder Kategorie: Die restriktivsten Länder sind Spanien und Italien. In den meisten Regionen dieser Länder existieren Rechtsvorschriften, die die exakten Merkmale und Mindestanforderungen, die Hotels der jeweiligen Kategorie aufweisen müssen, sehr genau beschreiben. Allerdings wurden in einigen Regionen mittlerweile weniger restriktive Regelungen eingeführt. Die Unterkünfte werden von amtlichen Inspektoren besichtigt, die sicherstellen, dass die Regeln eingehalten werden.
  • Regelungen, die bestimmte Mindestanforderungen in jeder Kategorie mit optionalen Einrichtungen und Services kombinieren, für die Punkte vergeben werden, sodass ein Aufstieg in eine höhere Kategorie erreicht wird: Dies ist das System, das in Frankreich und Deutschland verwendet wird. Dieser Ansatz ermöglicht es, bestimmte Mindeststandards in den Unterkünften zu garantieren und gleichzeitig Unterschiede bezüglich des Mehrwerts zu honorieren, den verschiedene Unterkünfte durch ihre Einrichtungen und Services schaffen. Dabei müssen solche Extras nicht unbedingt in allen Fällen gleich sein. Die Kategorisierung der Unterkünfte wird von Inspektoren oder Prüfern vorgenommen.
  • Regelungen, die bestimmte Mindestanforderungen in jeder Kategorie mit Mindestanforderungen an die Qualität kombinieren: Beispiele für Märkte, in denen dieses Modell angewendet wird, sind Großbritannien und die USA. Auch wenn es erforderlich ist, gemäß der gewährten Kategorie ein bestimmtes Mindestniveau an Einrichtungen und Services sicherzustellen, ist die Gesamtanzahl dieser Services nicht so erheblich wie ihre Qualität. Die Unterkünfte werden von Beratern besichtigt, die nicht nur verschiedene Aspekte des Hotels bewerten, sondern der Geschäftsführung auch Empfehlungen zur Verbesserung der Einrichtungen und Services geben, um eine bessere Bewertung zu erhalten.

Wird es jemals ein international einheitliches Regelwerk geben?

Angesichts der Tatsache, dass sich die touristischen Gegebenheiten im Hinblick auf Kundenerwartungen, Infrastruktur, übergreifende Regelungen usw. von Land zu Land stark unterscheiden, wird dieses Ziel meiner Meinung nach nur sehr schwer zu erreichen sein. Allerdings glaube ich, dass allmählich einige Anpassungen der Regelungen erkennbar sind. Grund hierfür sind die Anforderungen, die von der Gesellschaft im Allgemeinen und von den Reisenden im Besonderen gestellt werden.

Ich frage mich: Ist es wirklich wichtig, dass ein Rezeptionsmitarbeiter in einem 5-Sterne-Hotel mindestens drei Fremdsprachen spricht? Zumindest erwecken die aktuellen Regelungen in einigen italienischen Regionen den Anschein, dass dies der Fall ist. Ich persönlich lege mehr Wert darauf, dass die Webseite des Hotels aktuelle Informationen, realistische Fotos und exakte Angaben des Standorts (wie in Deutschland vorgeschrieben) enthält oder dass WLAN garantiert ist.

Ein wichtiger Aspekt ist die Bandbreite an Maßnahmen zur Förderung eines barrierefreien und nachhaltigen Tourismus. Diese Maßnahmen spiegeln sich in vielen Regelungen wider, die darauf abzielen, bestimmte Mindeststandards zu gewährleisten und eine sozial, ökonomisch und ökologisch verträglichere Art von Tourismus zu schaffen, und sind vor allem in den angelsächsischen Ländern erkennbar, in denen Reisenden eine Fülle an Ratschlägen gegeben wird, wie sie ihren Aufenthalt angenehmer gestalten können.

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie als Hoteliers und als in diesem Bereich tätige Fachleute bezüglich der aktuellen Regelungen, die Sie betreffen?

Diego Alonso Jiménez

Diego ist trivagos Industry Manager für den spanischen Markt. Ursprünglich aus Spanien ist Diego ein erfahrener Reisender, der gerne die Welt bereist und sich für andere Kulturen interessiert. Außerdem spricht er mehrere Sprachen fließend. Diegos breites Fachwissen in den Bereichen Web 2.0, E-Commerce und Online-Reputation bereichern unseren Blog. Er ist ein neugieriger Mensch und möchte immer Neues dazu lernen, um Hoteliers stets auf dem neuesten Stand zu halten und sie über die aktuellsten Trends in der Hotelindustrie und im Online-Marketing zu informieren.

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